Sebastian Wenzel // Freier Journalist
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Sebastian Wenzel ist freier Journalist.


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Kassenschlager

Fachartikel | gastronomie & hotellerie | Ausgabe: 06/2008 | zurück zur Artikel-Übersicht

Musik ist für viele Betriebsinhaber ein teures Vergnügen. Besonders ärgerlich: steigende GEMA-Gebühren. Doch es ist möglich, diese durch die richtigen Investitionen zu senken.

Richard Strauß ist schuld daran, dass viele Gastronomen sich heute aufregen. Der berühmte Komponist gründete 1903 die Genossenschaft Deutscher Tonsetzer. Daraus wurde über Umwege eine der mächtigsten Verwertungsgesellschaften der Welt, die »Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte«, kurz GEMA. Sie schützt die Interessen von Komponisten, Textdichtern sowie Musikverlegern und nervt Hotel- und Restaurantbesitzer. Etwa 850 Millionen Euro kassierte sie 2007. Von den Einnahmen deckt die Organisation ihre Personal- und Verwaltungskosten. Den Rest - im vergangenen Jahr waren das ungefähr 730 Millionen Euro - schüttet sie an ihre Mitglieder aus. Gewinne darf sie nicht erzielen. Rechtliche Grundlage dafür ist zum einen ihre Satzung sowie das Urheberrechtsgesetz.

Darin steht, dass jeder Kreative bestimmen kann, wer sein Werk wie verwenden darf, z. B. indem er die Nutzung mit Gebühren belegt. Weil es ziemlich aufwändig wäre, wenn jeder Komponist seine Lizenzgebühren selbst eintriebe, gibt es die GEMA. Sie ist das gemeinsame Inkassounternehmen der Musikschaffenden und kassiert Geld für ihre über 60 000 Mitglieder. Aus den gleichen Gründen haben sich auf der anderen Seite die Nutzer zur »Bundesvereinigung der Musikveranstalter« (BVMV) zusammengeschlossen. Als einer der größten Vertreter von Musiknutzern gehört auch der DEHOGA zum BVMV. Auf Grund eines bestehenden Rahmenvertrages erhalten Mitglieder einen Rabatt von 20 Prozent auf alle GEMA-Gebühren.

Übrigens: Drei weitere Verwertungsgesellschaften haben der GEMA das Inkassomandat übertragen: Erstens die »Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten« (GVL). Sie vertritt Sänger, Tänzer sowie CD-Firmen. Zweitens die »VG Wort«, die die Interessen von Schriftstellern, Übersetzern, Journalisten und Drehbuchautoren wahrt, wenn deren Werke im Radio oder Fernsehen verwendet werden. Drittens die »Zentralstelle für die Wiedergabe von Fernsehwerken« (ZWF), ein Zusammenschluss von Verwertungsgesellschaften aus dem Filmbereich.

Keine GEMA, keine Schlager
Trotz der DEHOGA-Rabatte ist der Frust bei Gastronomen und Hoteliers hoch. Viele fühlen sich »abgezockt«. Das sieht die GEMA natürlich anders. "Zurzeit werden die Gebühren jährlich um 1,25 Prozent erhöht - damit liegen wir sogar unter der Inflationsrate", sagt die Pressesprecherin Isabel Palmtag. Maria Hansen ist aber auch das zu viel. Sie betreibt eine kleine Vereinsgaststätte mit 40 Plätzen in Enkenbach. "Ich zahle keine GEMA-Gebühren. Da die Musik bei uns nur im Hintergrund läuft, verzichten wir darauf, bekannte Lieder zu spielen. Unseren Gästen gefällt die Atmosphäre trotzdem." Hansen darf »Hey Jude« von den Beatles oder »99 Luftballons« von Nena nicht in den CD-Player schieben, denn die Songs sind gebührenpflichtig. Genauso wie die meisten anderen berühmten Melodien. Wer Geld sparen will, darf nur GEMA-freie Musik spielen. Die ist vergleichbar mit Wein.

Es gibt Flaschen für weniger als zwei Euro oder für mehr als 200 Euro. Die Winzer verkaufen schlechte, mittelmäßige, gute und perfekte Weine. Genauso ist es mit GEMA-freie Musik. Es gibt billige und teure sowie grausame oder virtuose Lieder. Einige Anbieter offerieren Kompositionen von untalentierten Nachwuchskünstlern, eingespielt auf einem Keyboard. Andere Unternehmen besitzen eigene Tonstudios und arbeiten mit gut ausgebildeten Musikern.
Tipp: Wer GEMA-freie CDs kaufen möchte, sollte diese vorher anhören. Auf den Internetseiten der meisten Anbieter ist das problemlos möglich.

Egal, welche Qualität die Lieder haben: Jeder Gastronom, der in seinem Betrieb nur GEMA-freie Alben nutzt, muss dies beweisen können. Das geschieht durch Freistellungszertifikate. Darin bestätigt der Künstler, dass keine GEMA-Gebühren für seine Werke fällig sind. "Wenn dieser Nachweis erbracht wurde, werden sich die Kundenberater im Außendienst bei ihren regelmäßigen Besuchen oder gegebenenfalls auch gezielt davon überzeugen, ob wirklich kein für die GEMA geschütztes Repertoire wiedergegeben wird", sagt Palmtag. Original Musik von Strauss könnten Gastronomen übrigens jetzt auch wieder spielen. Der ist seit mehr als 70 Jahren tot und damit sind keine Lizenzgebühren mehr an ihn oder seine Nachfahren fällig. An das Orchester, das sein Werk anstimmt dagegen eventuell schon.

Wichtige Freistellungszertifikate

Interview mit Wolfgang Krüger, Sozius der Kanzlei Mertin Rechtsanwälte Steuerberater Hamburg, Schwerpunkte: Marken-, Musik- und Medienrecht, zum Thema Freistellungszertifikate.

Können Hotel- und Restaurantbesitzer sich von der GEMA abmelden?
Ja. Sie rufen einfach die zuständige Bezirksstelle an und teilen dem Sachbearbeiter mit, dass sie ab sofort nur noch GEMA-freie Musik spielen. Diese Behauptung müssen sie auf Nachfrage aber beweisen können.

Was ist GEMA-freie Musik?
Solche, für die Gastronomen keine Gebühren zahlen müssen. Das ist immer dann der Fall, wenn der Komponist weder Mitglied bei der GEMA ist, noch bei einer anderen ausländischen Verwertungsgesellschaft, die mit der GEMA zusammenarbeitet.

Lohnt sich der Einsatz davon in der Gastronomie?
Betriebe sind sehr unterschiedlich, deswegen muss das der jeweilige Inhaber entscheiden. Den meisten Besitzern rate ich davon ab, denn mit bekannten Melodien ist es einfacher, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Diese sind allerdings meistens GEMA-pflichtig. Wenn dagegen nur im Hintergrund leise ein Klangteppich ertönen soll, kann sich der Einsatz eventuell lohnen. Wer Geld sparen möchte, kann außerdem GEMA-freie Musik in Telefonwarteschleifen oder auf der Internetseite abspielen.

Was müssen Inhaber beachten, wenn sie sich dafür entscheiden?
Im allen öffentlichen Räumen wie der Lobby, dem Hotelzimmer oder dem Restaurant dürfen weder Radios noch Fernseher stehen. Im Büro oder der Küche dagegen schon, denn diese sind nicht öffentlich zugänglich. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Gastronomen Freistellungszertifikate für sämtliche CDs, die sie in ihrem Betrieb abspielen, besitzen. Die liefert in der Regel der Verkäufer der Silberscheiben. Gleichzeitig sollten sie darauf achten, dass die Freistellung dauerhaft ist. Das heißt, dass sie das Recht haben, die Musik auch nach einem Eintritt des Künstlers in die GEMA weiterhin kostenlos verwenden zu können.

Wie hoch sind die Strafen, wenn man sich nicht an diese Vorgaben hält?
Da sie Pauschaltarife besitzen, wird nicht überprüft, wie oft welcher Song gespielt wurde. Kann der Kontrolleur nachweisen, dass auch nur ein einziger Titel GEMA-pflichtig ist, muss für die gesamte Musik Gebühren nachgezahlt werden und zwar das Doppelte des normalen Tarifs.


Hotels ja, Restaurants nein

Interview mit Rana U. Baum, Geschäftsführerin Baum Media. Das Unternehmen verkauft den Computer WebMaxX, der GEMA-freie Musik über das Internet empfängt.

Lohnt sich GEMA-freie Musik für Gastronomen?
Restaurant- und Gaststättenbesitzern raten wir davon ab. Denn GEMA-freie Lieder besitzen zum größten Teil unbekannte Melodien, da kein Beteiligter - Komponisten, Arrangeure und Musiker - in einer Urheberrechtsorganisation gebunden sein darf. Zum kleineren Teil besteht die Musik aus bekannten klassischen Melodien. Voraussetzung: Der Komponist ist seit mindestens 70 Jahren tot und das Orchester ist ebenfalls ungebunden. Geeignet ist GEMA-freies Material dagegen für Hotels und Nebenräume. Und zwar immer dann, wenn große Flächen beschallt werden sollen, in denen leise, dezente Hintergrundmusik gewünscht wird statt lastender Stille.

Eine nette Umschreibung für Fahrstuhlmusik?
Wir haben einige Jahre gebraucht, um genügend »gute« Lieder auf dem Markt zu finden und - in weit größerem Ausmaß - selbst zu produzieren. Unsere Titel sind qualitätsmäßig wesentlich besser als die bekannte Fahrstuhlmusik. GEMA-freie Musik wird nicht immer qualitativ so gut sein können wie lizenzierte. Welches kleine Unternehmen kann ganze Orchester finden, bezahlen und ewig lange Produktionen in teueren Studios finanzieren? Wir arbeiten mit Musikern aus östlichen Nachbarländern zusammen. Diese haben zu einem großen Teil eine extrem gute klassische Ausbildung genossen und spielen ihre Lieder in unsere Studios ein. Zusätzlich bauen wir unser Angebot sukzessiv aus. Es wächst langsam aber stetig.

Was müssen Gastronomen, die sich bei der GEMA abmelden wollen, beachten?
Alle, die ausschließlich mit den GEMA-freien Programmen des WebMaxX ihre Räumlichkeiten beschallen, brauchen keine Gebühren zu bezahlen. Es darf allerdings weder ein CD-Spieler noch ein Radio vorhanden sein.

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